Jenseits seiner allgemeinen Auswirkungen auf Entzündungsreaktionen, die Immunabwehr oder die Hautbarriere, kann Stress außerdem das Auftreten, die Intensität oder den Verlauf bestimmter Hauterkrankungen beeinflussen. Diese Beziehung erklärt sich durch den stetigen Dialog zwischen dem Nervensystem, den Stresshormonen und den kutanen Immunantworten, der das physiologische Gleichgewicht der Haut stören kann, wenn die Stressexposition andauernd wird. Zahlreiche klinische Beobachtungen und experimentelle Daten legen nahe, dass Stress als auslösender oder verschlimmernder Faktor in verschiedenen Hauterkrankungen wirkt, ohne gleichzeitig die einzige Ursache dieser Dermatosen zu sein.
Stress und Ekzem.
Das Ekzem ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die durch eine Beeinträchtigung der Hautbarriere, eine ausgeprägte Trockenheit und starken Juckreiz. Sie beruht unter anderem auf einem immunologischen Ungleichgewicht, das häufig in Richtung einer Th2-betonten Antwort geht, sowie auf einer erhöhten Produktion entzündlicher Zytokine. In diesem Zusammenhang kann Stress als ein wichtiger Verschlimmerungsfaktor wirken: Die anhaltende Aktivierung der HPA-Achse, die Freisetzung von Neuropeptiden und die Stimulation der Mastzellen fördern die Hautentzündung und verstärken den Juckreiz. Dieser Zusammenhang erklärt, warum manche Menschen einen stressbedingten Ausbruch eines Ekzems beobachten, insbesondere im Gesicht oder an den Händen.
Mehrere Untersuchungen haben sich mit der konkreten Rolle von Stress bei der Entwicklung des atopischen Ekzems aus Sicht der Patienten befasst. In einer Studie mit 28 Personen, die an dieser Dermatose litten, wurde der Einfluss von psychologischem Stress und emotionalen Faktoren auf die Verschlimmerung der Erkrankung untersucht. Alle Teilnehmer waren der Ansicht, dass Stress das Ekzem und den damit verbundenen Juckreiz verschlimmern, auch wenn es manchmal schwierig war, seine Wirkung von der anderer physiologischer Auslöser wie Infektionen, Klima oder Allergenen zu unterscheiden. Die Patienten berichteten insbesondere von einem stärkeren Einfluss chronischen gegenüber akutem Stress und nannten häufig familiäre oder finanzielle Probleme, Arbeitsüberlastung, Prüfungsphasen oder unerwartete Ereignisse als verschlimmernde Faktoren. Darüber hinaus, ergänzend zu den klassischen Behandlungen des Ekzems, wie Dermokortikoide, Emollienzien und Phototherapie, erwähnten einige Teilnehmer auch mögliche Vorteile durch körperliche Aktivität und psychologische Unterstützung.
Stress und Psoriasis.
Die Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Dermatoserkrankung, gekennzeichnet durch eine Hyperproliferation der Keratinozyten und eine Immunaktivierung, die hauptsächlich über die Th1- und Th17-Wege erfolgt. Diese Entzündung führt zum Auftreten von gut abgegrenzten erythematosquamösen Plaques. Der Stress kann auf verschiedenen Ebenen eine Rolle spielen, da die Cortisolausschüttung die Produktion entzündlicher Zytokine stören und mit den Hautnervenrezeptoren interagieren kann. Diese Mechanismen können die Initiierung der Erkrankung fördern oder stressbedingte Psoriasis-Schübe auslösen.
Eine Meta-Analyse, die 39 Studien mit insgesamt mehr als 32.000 Patienten umfasst, hat diese Frage untersucht und kam zu dem Schluss, dass es eine statistisch signifikante Assoziation zwischen Psoriasis und Stress. Die Autoren blieben jedoch vorsichtig und wiesen auf zahlreiche Einschränkungen der Studien hin. Sie kamen daher zu dem Schluss, dass es schwierig sei, eine starke Kausalbeziehung zu belegen, auch wenn ein moderater Einfluss von Stress auf Psoriasis plausibel bleibt.