Trotz ihrer Relevanz und internationalen Anerkennung weist die Fitzpatrick-Klassifikation mehrere methodologische und biologische Einschränkungen auf, die ihre Genauigkeit in Frage stellen. Einer der Hauptkritikpunkte ist ihre Unfähigkeit, die tatsächliche weltweite Vielfalt der Hauttöne, insbesondere die dunkelsten Hauttypen, treffend abzubilden. Die Skala basiert auf einer linearen Vorstellung von Pigmentierung, die von sehr hellem (Typ I) bis sehr dunklem (Typ VI) Hauttyp reicht und unterstellt, dass dunkle Haut immer bräunt und so gut wie nie verbrennt. Doch dabei handelt es sich um einen verkürzenden Ansatz der gefährlich sein kann.
Im Gegensatz zu dem, was die Fitzpatrick-Klassifikation vermuten lässt, können auch Menschen mit dunkler Haut einen Sonnenbrand erleiden. Melanin, obwohl es eine wesentliche photoprotektive Funktion erfüllt, bietet keinen vollständigen Schutz vor durch UV-Strahlung hervorgerufenen Schäden, insbesondere bei längerer oder intensiver Exposition. So können Personen des Phototyps V oder VI erythematöse Läsionen oder kumulative UV-Schäden entwickeln, doch diese Erscheinungen werden sowohl von Patient:innen als auch von medizinischen Fachkräften häufig unterschätzt oder nicht erkannt. Diese falsche Sicherheitsvorstellung bei dunkelhäutigen Individuen hat weitreichende klinische Konsequenzen. In der Annahme, von den Risiken der Sonnenexposition nicht betroffen zu sein, vernachlässigen viele den Sonnenschutz und überprüfen nicht ihre Muttermale, ein Verhalten, das zur erhöhten Sterblichkeit durch Hautkrebs in dunkelhäutigen Bevölkerungsgruppen beiträgt.
Außerdem werden diese Verzerrungen mit zunehmenden Migrationen und Durchmischungen noch problematischer. Das Fitzpatrick-System, das auf einer überwiegend eurozentrischen Kategorisierung basiert, vermag die genetische und pigmentäre Komplexität zeitgenössischer Bevölkerungen nicht mehr angemessen abzubilden. Die nachträglich eingeführten Phototypen V und VI zur Einbeziehung asiatischer, indischer und afrikanischer Hauttypen reichen nicht aus, um die innergruppale Variabilität abzudecken – also die vielfältigen Nuancen und Hautreaktivitäten, die Individuen innerhalb derselben Kategorie zeigen.
Die moderne Dermatologie bemüht sich heute darum, diesen Ansatz zu überwinden, indem sie umfassendere und quantitative Modelle, die objektive Messungen der Pigmentierung, der UV-Empfindlichkeit und der entzündlichen Hautreaktion integrieren. Ziel ist es, die medizinische und ästhetische Versorgung besser an die biologische Realität jeder Haut anzupassen — und nicht an eine Pigmenttypologie aus den 1970er-Jahren, die zwar interessant, aber unvollständig ist.
Die Fitzpatrick-Klassifikation bleibt ein nützliches Instrument, muss jedoch durch einen inklusiveren und stärker individualisierten Ansatz ergänzt werden, um die tatsächliche Vielfalt der Hauttypen adäquat abzubilden.