Wenn Mikroemulsionen in der Kosmetik so großes Interesse wecken, dann vor allem deshalb, weil sie als besonders leistungsfähige Vektorisierungssysteme für bestimmte Wirkstoffe dienen können. Die Haut, insbesondere ihre äußerste Schicht, das Stratum corneum, stellt eine wirksame Barriere gegenüber äußeren Einflüssen, aber auch gegenüber dem Eindringen zahlreicher Moleküle dar. Diese Barriere ist für hydrophile Wirkstoffe besonders schwer zu überwinden, während bei bestimmten lipophilen Verbindungen eher Probleme der Löslichkeit oder der Stabilität in den Formulierungen auftreten. In diesem Zusammenhang hängt die Formulierung nicht nur von der Art des Wirkstoffs ab: Auch das Vehikel, das ihn transportiert, spielt eine wichtige Rolle für sein Verhalten an der Hautoberfläche.
Die sehr kleine Tröpfchengröße von Mikroemulsionen ist ein entscheidender Vorteil. Im nanometrischen Maßstab weisen die gebildeten Strukturen eine sehr große Austauschoberfläche auf, was die Wechselwirkung zwischen der Formulierung und der Haut begünstigt und so die Diffusion der Wirkstoffe erleichtert.
Mikroemulsionen weisen einen weiteren wichtigen Vorteil auf: Ihre nanometrische Organisation in wässrige und ölige Kompartimente, die durch Tenside stabilisiert werden, verleiht ihnen eine hohe Solubilisierungskapazität für sowohl hydrophile als auch lipophile Moleküle, die häufig größer ist als die herkömmlicher Emulsionen. Mit anderen Worten ermöglichen sie es, bestimmte Wirkstoffe leichter einzubringen, die sich in einer klassischen Formulierung nur schwer dispergieren ließen. Dieser Effekt ist insbesondere für schwer lösliche Inhaltsstoffe von Interesse, deren Wirksamkeit begrenzt sein kann, wenn ihre Lösung unvollständig ist. Durch die Verbesserung ihrer Solubilisierung kann die Mikroemulsion folglich dazu beitragen, die Verfügbarkeit des Wirkstoffs beim Kontakt mit der Haut zu erhöhen.
Dieses Interesse ist nicht nur theoretischer Natur. In der wissenschaftlichen Literatur haben mehrere Arbeiten gezeigt, dass Mikroemulsionen die kutane Penetration bestimmter Moleküle verbessern können im Vergleich zu klassischeren Darreichungsformen. Ein häufig zitiertes Beispiel betrifft Penciclovir, ein topisch angewendetes Virostatikum, das häufig zur Behandlung von Lippenherpes eingesetzt wird. In Form einer Mikroemulsion formuliert, zeigte es in einem experimentellen Modell eine deutlich höhere Fähigkeit zur Hautpenetration als die klassische Creme. Natürlich handelt es sich hierbei um ein pharmazeutisches und nicht um ein kosmetisches Beispiel, aber es veranschaulicht das Prinzip sehr gut. Durch die Modifikation des Vehikels kann man mitunter die Freisetzung eines Wirkstoffs verbessern und damit potenziell auch seine lokale Wirksamkeit erhöhen.