Die Haut der Hände beruht in hohem Maße auf der Integrität ihrer obersten Schicht, der Hornschicht, die sowohl eine physikalische als auch eine biochemische Barrierefunktion übernimmt. Diese Struktur besteht aus Korneozyten, also abgestorbenen Zellen, die in eine lipidreiche Matrix eingebettet sind, die reich an Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren ist. Diese Anordnung begrenzt den Wasserverlust und schützt die Haut vor äußeren Einflüssen. Hinzu kommt der Hydrolipidfilm auf der Oberfläche der Epidermis, ein schützender Film aus Schweiß und Talg. Viele Haushaltsreiniger sind jedoch so formuliert, dass sie Fette und Verschmutzungen lösen – ein Mechanismus, der nicht zwischen den Lipiden auf der Hautoberfläche und jenen in der häuslichen Umgebung unterscheidet.
Die wiederholte Exposition gegenüber diesen Produkten, insbesondere solchen mit hohem Gehalt an Tensiden wie Geschirrspülmitteln, führt zu einer allmählichen Abnahme der Hautlipide.
Eine Studie mit 11 freiwilligen Probanden zeigte, dass die Verwendung von verdünnten Detergenzien (0,5 %) mit einer Abnahme des Lipidgehalts der Hauteinherging, mit einer negativen Korrelation (r = –0,53). Zur Erinnerung: Der Korrelationskoeffizient (r) ermöglicht es, die Stärke des Zusammenhangs zwischen zwei Variablen zu messen. Er variiert zwischen –1 und +1. Je näher sein Wert an ± 1 liegt, desto stärker ist die Beziehung. Dieser Lipidverlust schwächt die Hautbarriere, erhöht den transepidermalen Wasserverlust und begünstigt das Auftreten von Trockenheit und Unbehagen.
Wenn diese Barriere geschwächt ist, wird die Haut für reizende Substanzen durchlässiger, was zu einer irritativen Kontaktdermatitis führen kann. Im Gegensatz zu einer allergischen Reaktion beruht diese Form der Dermatitis auf einer direkten Schädigung der Haut. Sie äußert sich durch Rötungen, Brennen oder Kribbeln, Schuppung und sogar schmerzhafte Risse, insbesondere an den Fingergelenken. Sogenannte „Feuchtarbeiten“ wie Abwaschen oder Reinigen verschlimmern diese Phänomene: Wasser lässt die Hornschicht anschwellen, erhöht ihre Durchlässigkeit und erleichtert das Eindringen von Tensiden und anderen chemischen Stoffen.
In einigen Fällen kann außerdem eine allergische Kontaktdermatitis auftreten. Dabei handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf einen bestimmten Inhaltsstoff, wie bestimmte Duftstoffe, Konservierungsstoffe, insbesondere Isothiazolinone, oder Desinfektionsmittel. Ist die Sensibilisierung einmal erfolgt, kann bereits eine sehr geringe Exposition eine entzündliche Reaktion mit ekzematösen Hautveränderungen auslösen. Im Gegensatz zur irritativen Dermatitis erfordert diese Art von Reaktion eine konsequente, langfristige Meidung des Allergens .
Über diese sichtbaren Reaktionen hinaus können Haushaltsreiniger außerdem das Gleichgewicht des Hautmikrobioms stören. Die Haut beherbergt nämlich nützliche Mikroorganismen, die zu ihrer Abwehr beitragen, indem sie die Hautoberfläche besiedeln und antimikrobielle Substanzen produzieren. Die wiederholte Verwendung von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln kann dieses Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen, seine Fähigkeit zum Schutz der Haut verringern und so indirekt das Auftreten von Reizungen oder Infektionen begünstigen.
Langfristig tragen diese wiederholten Belastungen zu einer vorzeitigen Hautalterung der Hände bei. Chronische Dehydratation und niedriggradige Entzündungen verändern nach und nach die Hautstruktur, sodass die Haut dünner, rauer und weniger elastisch wird. Feine Fältchen können entstehen und den Händen ein stärker gezeichnetes Aussehen verleihen, was mitunter verstärkt wird, wenn diese Belastungen mit weiteren Faktoren wie der Sonneneinwirkung einhergehen. Diese Effekte sind umso ausgeprägter bei häufiger Exposition, etwa in bestimmten Berufsgruppen, betreffen jedoch ebenso den häuslichen Gebrauch.
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit weist zudem darauf hin, dass Detergenzien und Reinigungsmittel zu den Hauptursachen der Handdermatitis zählen.