Seit einigen Jahren kursiert in den sozialen Netzwerken weit verbreitet die Vorstellung, dass Roaccutane die Nase verschmälern könnte, sodass manche sogar von einer "Accutane-Rhinoplastik" sprechen. Diese Hypothese beruht auf einem biologisch plausiblen Mechanismus: Isotretinoin verringert deutlich die Aktivität und Größe der Talgdrüsen und reduziert die Talgproduktion, was nach und nach zu einer Ausdünnung der Haut führt, insbesondere bei Personen mit dicker, fettiger Haut. Da die Haut der Nase zahlreiche Talgdrüsen enthält, haben manche Patienten den Eindruck, dass ihre Nase im Verlauf der Behandlung etwas schmaler erscheint.
Einige wissenschaftliche Arbeiten haben tatsächlich Veränderungen der Hautdicke der Nase unter Isotretinoin beobachtet. So hat beispielsweise eine Studie an 40 Patienten mit Akne, die vier Monate lang mit Isotretinoin (0,25 oder 0,5 mg/kg/Tag) behandelt wurden, die Dicke der Nasenhaut mittels Ultraschall untersucht. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Abnahme der Dicke der Dermis und des subkutanen Gewebes in verschiedenen Bereichen der Nase, unabhängig von der verwendeten Dosis. Parallel dazu ergaben die Elastographiemessungen eine Zunahme der Hautelastizität im vierten Behandlungsmonat, was auf eine Verbesserung bestimmter mechanischer Eigenschaften der Haut hindeutet. Die Studie umfasst jedoch keine Nachbeobachtung nach Behandlungsende: Es ist daher unklar, wie die Situation sechs, acht oder zwölf Monate nach Absetzen von Roaccutane aussieht.
Dies vorausgeschickt, sind diese Beobachtungen für Chirurgen im Kontext der Rhinoplastik von besonderem Interesse. Bei Patientinnen und Patienten mit dicker Nasenhaut kann Isotretinoin mitunter vor oder nach dem Eingriff eingesetzt werden, um die Konturdefinition der Nase zu verbessern. Eine 2024 veröffentlichte wissenschaftliche Übersichtsarbeit legt nahe, dass der Einsatz von Isotretinoin im Umfeld der Operation die ästhetische Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten in den sechs Monaten nach dem Eingriff steigern könnte. Die Ergebnisse bleiben jedoch uneinheitlich: Nur wenige Studien berichten von einem anhaltenden Nutzen über ein Jahr hinaus, und die verwendeten Protokolle unterscheiden sich erheblich von Studie zu Studie. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die wissenschaftliche Evidenz weiterhin begrenzt ist, insbesondere aufgrund der geringen Fallzahlen und des fehlenden Langzeit-Follow-ups.
Es ist daher wichtig zu betonen, dass selbst wenn während einer Behandlung mit Isotretinoin bestimmte Veränderungen der Nasenhaut auftreten können, dieses Medikament nicht dazu bestimmt ist, die Form der Nase zu verändern.
Roaccutan bleibt in erster Linie eine medizinische Behandlung schwerer Akne, die in einem klar definierten dermatologischen Rahmen und unter ärztlicher Aufsicht verordnet wird. In bestimmten speziellen Situationen, wie beim Rhinophym, kann die Verringerung der Aktivität der Talgdrüsen das Hautbild verbessern. Dagegen darf Isotretinoin niemals mit einem rein ästhetischen Ziel eingesetzt werden, und sein Nutzen-Risiko-Verhältnis muss stets von einer medizinischen Fachkraft beurteilt werden.