Dehnungsstreifen, wissenschaftlich bezeichnet als Striae, entstehen durch eine Ruptur der Kollagen- und Elastinfasern in der Dermis, meist infolge einer zu raschen mechanischen Überdehnung der Haut. Dieses Phänomen tritt typischerweise in Lebensphasen auf, die von ausgeprägten hormonellen oder körperlichen Veränderungen geprägt sind, wie Pubertät, Schwangerschaft oder schnellen Gewichtsschwankungen. Anfangs entzündlich und violett gefärbt, stabilisieren sich diese linearen Narben im Verlauf und nehmen einen perlmuttweißen Ton an, der ein Areal markiert, in dem die Hautelastizität dauerhaft beeinträchtigt wurde. Sind Dehnungsstreifen einmal weiß, gelten sie als endgültig und können durch kosmetische Maßnahmen nicht mehr aufgehellt oder gemindert werden.
Dehnungsstreifen sind mitunter belastend, doch bestimmte Wirkstoffe, wie Kokosöl, können dazu beitragen, ihre Sichtbarkeit zu verringern.
Kokosöl wirkt auf verschiedenen Ebenen, um die Struktur der Haut zu erhalten, die starken Zugbelastungen ausgesetzt ist. Sein erster Wirkmechanismus ist seine ausgeprägte antioxidative Wirkung. Während der Schwangerschaft oder bei einer raschen Gewichtszunahme erfährt der Körper einen Anstieg des oxidativen Stresses, einer Ungleichgewichtssituation, in der freie Radikale – im Überschuss gegenüber den körpereigenen Antioxidantienspeichern – die Zellen angreifen. Dank seines Reichtums an Laurinsäure, Polyphenolen und Vitamin E wirkt Kokosöl wie ein Schutzschild. Es neutralisiert diese instabilen Moleküle und schützt so die Kollagen- und Elastinfasern vor dem Abbau. Auf diese Weise hilft Kokosöl der Haut, ihre strukturelle Integrität gegenüber der Dehnung zu bewahren.
Über diese antioxidative Schutzwirkung hinaus greift Kokosöl direkt in den Prozess der dermalen Reparatur und Synthese ein. Wissenschaftliche Daten legen nahe, dass seine Fettsäuren die Fibroblasten stimulieren, also jene Zellen, die für die Kollagenproduktion verantwortlich sind. Durch die Förderung dieser Synthese trägt Kokosöl dazu bei, die Dermisdichte zu erhöhen und die Elastizität der Haut zu verbessern, sodass sie sich geschmeidiger dehnen kann, ohne zu reißen. Es unterstützt außerdem die Angiogenese, das heißt die Bildung neuer Blutgefäße, was die Versorgung der gedehnten Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff optimiert und damit eine effizientere innere Heilung der Mikrotraumata erleichtert, die den Dehnungsstreifen zugrunde liegen.
Schließlich besitzt Kokosöl entzündungshemmende und emolliente Eigenschaften, die entscheidend sind, um eine Verschlimmerung der Dehnungsstreifen zu verhindern. Durch die Hemmung bestimmter Entzündungsmediatoren, wie der Zytokine IL‑6 oder TNF‑α, hilft es, die rote Entzündungsphase frisch entstehender Striae zu begrenzen, die mit tiefgreifenden Gewebeschäden einhergeht. Parallel dazu stärkt seine lipidhaltige Natur die Hautbarriere und bremst den transepidermalen Wasserverlust. Diese intensive Hydratation hält die Haut geschmeidig und elastisch und verleiht ihr die notwendige Widerstandsfähigkeit, um die Bewegungen des Körpers zu begleiten und gleichzeitig das Risiko von Rissen in der Dermis zu minimieren.
Kurz gesagt könnte Kokosöl dank seiner antioxidativen, wundheilungsfördernden, entzündungshemmenden und pflegenden Eigenschaften gegen Dehnungsstreifen wirken. Aber ist seine Wirksamkeit klinisch belegt?
Eine randomisierte, doppelblinde klinische Studie, die an 200 schwangeren Frauen in Indonesien durchgeführt wurde, hat kürzlich interessante Belege für die Wirksamkeit von Kokosöl erbracht. Die Teilnehmerinnen trugen entweder Kokosöl oder ein Placebo zweimal täglich auf den Bauch, die Brüste und die Oberschenkel auf, vom zweiten Trimester bis sechs Wochen nach der Entbindung. Die Ergebnisse sind signifikant und sprechen zugunsten von Kokosöl.