Wenn das Schwitzen meist als eine Art biologischer Thermostat wahrgenommen wird, der den Organismus abkühlen soll, folgt der durch psychischen Druck ausgelöste Schweiß einer ganz anderen Logik. Alles beginnt im Inneren unseres Gehirns, genauer gesagt in der Amygdala, dem Zentrum für die Verarbeitung von Emotionen. Wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen, sei es eine körperliche Gefahr oder eine belastende soziale Situation wie etwa eine öffentliche Rede, sendet die Amygdala ein Alarmsignal an den Körper. Diese Botschaft aktiviert den sympathischen Zweig des autonomen Nervensystems und löst damit das aus, was Biologen als Kampf-oder-Flucht-Reaktion (englisch "fight or flight") bezeichnen. Eine Welle von Katecholaminen wie Adrenalin und Noradrenalin wird dann im Körper freigesetzt.
Die Nervenaktivierung richtet sich auf spezifische Schweißdrüsen der Epidermis.
Im Gegensatz zum thermischen Schwitzen, bei dem hauptsächlich die ekkrinen Drüsen aktiviert werden, um Wasser und Salze auszuscheiden, beansprucht Stressschweiß eher die apokrinen Drüsen, die sich überwiegend in den Achselhöhlen, im Genitalbereich, auf den Hand flächen und an den Fuß sohlen befinden. Diese Drüsen sezernieren eine dickflüssigere Lösung, die reich an Lipiden und Proteinen ist. Genau diese spezielle chemische Zusammensetzung erzeugt im Kontakt mit den auf der Haut lebenden Bakterien einen stärkeren Geruch, der intensiver und saurer wirkt und häufig mit Momenten der Angst oder Anspannung in Verbindung gebracht wird.
Wussten Sie das? Die Feuchtigkeit der Handinnenflächen und Fußsohlen, die durch das Schwitzen entsteht, erhöht die Haftung und Reibung der Haut und sorgt so für einen besseren „Grip“ beim Klettern und bei der Flucht. Dieses Stressschwitzen geht auf einen uralten Überlebensmechanismus zurück, der die Reaktionsfähigkeit in unvorhersehbaren Situationen optimiert.
Es ist zu beachten, dass diese Schweißproduktion nicht linear verläuft. Untersuchungen aus dem Jahr 1998 haben es ermöglicht, das Verhalten der Schweißdrüsen gegenüber einem direkten emotionalen Reiz präzise zu visualisieren. Durch mikroskopische Beobachtung der Haut, nachdem hinter dem Kopf von 11 Probanden ein plötzliches, lautes Geräusch ausgelöst worden war, konnten die Forschenden zeigen, dass die Sekretion nicht gleichmäßig erfolgt: Die Drüsen reagieren gemäß einer gedämpften periodischen Oszillation. Konkret wird der Schweiß nicht in einem einzigen kontinuierlichen Strom abgegeben, sondern in einer Abfolge von vier rhythmischen Spitzen. Das erste Intervall zwischen zwei Schweißspitzen dauert etwa 1,7 Sekunden, während sich die darauffolgenden Intervalle systematisch verdoppeln (3,2 und dann 6,6 Sekunden). Dieser mathematische Rhythmus legt nahe, dass der Körper die Verarbeitung eines emotionalen Schocks ähnlich wie eine physische Stoßwelle steuert, die nach und nach abklingt.