Bis heute sind die wissenschaftlichen Belege, die die Wirksamkeit von Kokosöl bei Aphthen stützen, weiterhin begrenzt.
Nichtsdestotrotz ermöglichen bestimmte biologische Mechanismen die Formulierung von Hypothesen. Das Kokosöl enthält insbesondere Laurinsäure, eine Fettsäure, die für ihre antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt ist. Diese kann die Membranen bestimmter Mikroorganismen schädigen und ihre Vermehrung begrenzen. Auch wenn Aphthen nicht systematisch infektiösen Ursprungs sind, kann das Vorhandensein von Bakterien in der Mundhöhle die Entzündung aufrechterhalten oder die Wundheilung verzögern, weshalb es sinnvoll ist, die lokale mikrobielle Belastung zu reduzieren.
In diesem Zusammenhang haben mehrere Studien die antibakterielle Wirkung von Kokosöl im Mundraum untersucht. So hat beispielsweise eine klinische Studie mit 50 Kindern eine Mundspüllösung mit Kokosöl mit Chlorhexidin, einem Referenzantiseptikum, verglichen. Nach 30 Tagen täglicher Anwendung zeigten die Ergebnisse eine signifikante Abnahme von Streptococcus mutans, einem an der Entstehung von Karies beteiligten Bakterium, in beiden Gruppen, ohne signifikanten Unterschied zwischen ihnen. Mit anderen Worten, Kokosöl zeigte eine mit Chlorhexidin vergleichbare Wirksamkeit zur Reduktion dieses Bakteriums. Allerdings sollten diese Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden: S. mutans ist an Karies beteiligt, nicht jedoch an Aphthen, deren Pathophysiologie eine andere ist.
Einige Arbeiten haben sich jedoch direkter mit Aphthen befasst. In einer klinischen Studie mit 52 Patientinnen und Patienten mit rezidivierenden Aphthen wurde die Anwendung von Kokosöl mit derjenigen von 5%igem Amlexanox, einer klassischen Behandlung von Aphthen, verglichen. Die Ergebnisse zeigen in beiden Gruppen eine signifikante Besserung, mit einer Verringerung von Schmerz und Ulkusgröße im Verlauf der Tage. Kokosöl zeigte insbesondere bereits am dritten Tag eine signifikante Schmerzreduktion sowie eine Verringerung der Läsionsgröße am fünften Tag. Diese Ergebnisse deuten auf einen potenziell günstigen Effekt von Kokosöl hin, auch wenn die Studie relativ klein ist und keine genauen Angaben zu den Unterschieden zwischen den beiden Gruppen macht.
Abschließend lässt sich sagen, dass die antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften von Kokosöl es zwar als Mundspülung gegen Aphten interessant machen könnten, die wissenschaftlichen Belege dafür jedoch noch unzureichend sind. Es kann eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungen darstellen, sollte diese jedoch nicht ersetzen.
Hinweis : Da Kokosöl auch ein Speiseöl ist, besteht keine Gegenanzeige, es für „Oil Pulling“ zu verwenden.