Die orale Mykose ist die Folge einer Veränderung des oralen Mikrobioms.
Man spricht von einer opportunistischen Infektion, weil der Pilz erst dann aggressiv wird, wenn er eine Schwachstelle in den Abwehrmechanismen seines Wirts erkennt. Dieser Übergang kann durch externe Faktoren oder durch interne Veränderungen in unserem Organismus ausgelöst werden.
Die häufigste Ursache bei Erwachsenen liegt in der Verwendung von bestimmten Medikamenten, die das Gleichgewicht der Mikroflora verändern. Besonders Breitbandantibiotika werden häufig dafür verantwortlich gemacht: Indem sie die nützlichen Bakterien im Mund zerstören, die die Pilzpopulation auf natürliche Weise regulieren, schaffen sie freie Bahn für Candida , sich ohne Konkurrenz zu vermehren.
Ebenso können inhalative Kortikosteroide, die für Asthmatiker unverzichtbar sind, die lokale Immunabwehr der Schleimhäute schwächen, wenn sie nicht durch ein systematisches Mundspülen anschließend ergänzt werden. In schwerwiegenderen Kontexten, wie Chemo- oder Strahlentherapie, führt die direkte Schädigung des Gewebes und der Speicheldrüsen zu einer erheblichen Schwachstelle, in die Hefepilze leicht eindringen können.
Bestimmte lokale Faktoren begünstigen ebenfalls eine Pilzinfektion der Zunge. Der Trag von Zahnprothesen ist ein wesentlicher Risikofaktor, insbesondere wenn der Zahnersatz schlecht angepasst ist oder nachts getragen wird. Unter der Acrylplatte der Prothese entsteht ein feuchtes Milieu mit geringem Sauerstoffgehalt und einem sauren pH-Wert, das ideale Bedingungen für das Pilzwachstum bietet.
Mundtrockenheit ist ein weiterer wichtiger auslösender Faktor. Speichel ist nicht nur ein einfaches Gleitmittel: Er ist reich an pilzhemmenden Proteinen wie Histatin‑5, die verhindern, dass sich der Pilz an die Schleimhäute anheftet. Ohne eine ausreichende Speichelproduktion verliert der Mund sein wichtigstes natürliches Reinigungssystem. Schließlich reizt das Rauchen das Gewebe und verändert den pH‑Wert in der Mundhöhle, was die Umwandlung des Pilzes in seine invasive Form begünstigt.
Die Immunität ist die letzte Barriere gegen die Candidose.
Zu Beginn und am Ende des Lebens ist das Risiko am höchsten. Beim Neugeborenen, dessen Mikrobiom und Immunsystem noch unreif sind, und bei älteren Menschen, deren Abwehrkräfte nachlassen, treten orale Mykosen am häufigsten auf. Bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes begünstigen ebenfalls die Infektion, da ein erhöhter Blutzuckerspiegel den Zuckergehalt im Speichel ansteigen lässt, was für Candida vorteilhaft ist. Schließlich beeinträchtigt jede Form von Immunschwäche, etwa HIV oder Nährstoffmangel, die Wirksamkeit der Th17-Lymphozyten, also jener Immunzellen, deren Aufgabe es ist, die Schleimhäute gezielt vor Pilzangriffen zu schützen.