Der Fieberbläschen, oder Herpes labialis, ist eine sehr häufige Virusinfektion, die durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht wird. Man schätzt, dass die große Mehrheit der Erwachsenen bereits, oft schon in der Kindheit, mit diesem Virus in Kontakt gekommen ist. Nach der Primärinfektion verbleibt das HSV-1 verbleibt lebenslang im Organismus, in latenter Form in einem Nervenknoten, und kann jederzeit reaktiviert werden. Eine Episode beginnt meist mit Prodromi wie Kribbeln, Brennen oder lokalisierter Spannung am Lippenrand. Innerhalb weniger Stunden entstehen kleine Vesikel, gruppiert in einem „Bouquet“, gefüllt mit einer klaren, virusreichen Flüssigkeit. Darauf folgt die Ulzerationsphase, anschließend die Krustenbildung, bevor die vollständige Abheilung einsetzt.
In Abwesenheit von Komplikationen dauert ein Fieberbläschen durchschnittlich 7 bis 10 Tage und kann spontan abheilen, ohne eine Narbe zu hinterlassen.
Die Übertragung eines Fieberbläschens erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt mit Speichel oder einer aktiven Läsion (Kuss, enger Körperkontakt). Es ist ansteckend ab den ersten Prickelgefühlen, noch bevor sich die Bläschen bilden, und bis zur vollständigen Abheilung. Wenn es nicht möglich ist, das Virus endgültig zu eliminieren, kann man den Ausbruch verkürzen. Lokale antivirale Behandlungen (Aciclovir, Penciclovir) sind umso wirksamer, je früher sie bei den ersten Symptomen angewendet werden. Bei schweren, schmerzhaften, sehr häufigen Ausbrüchen oder bei immunsupprimierten Personen kann ein orales antivirales Medikament von einem Arzt verschrieben werden, um die Dauer und Intensität der Episode zu reduzieren, weshalb es wichtig ist, einen Gesundheitsfachmann zu konsultieren, besonders bei Unsicherheit, ausgedehnten Läsionen, Augenbeteiligung, hohem Fieber oder wenn die Infektion einen Säugling betrifft.
Orale Virostatika verfügen über solide klinische Daten. Zwei randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit mehr als 600 Freiwilligen untersuchten die Wirksamkeit von Valaciclovir. Die Teilnehmer begannen die Behandlung bereits bei den ersten Symptomen eines Fieberbläschens. Ein kurzes Hochdosis-Schema (2 g zweimal am selben Tag) ermöglichte es, die mediane Episodendauer um etwa einen Tag gegenüber Placebo zu verkürzen. Die Heilungszeit sowie die Dauer der Schmerzen wurden ebenfalls signifikant verkürzt.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine frühzeitige und kurze orale Behandlung den Verlauf eines Fieberbläschens verkürzen kann.