Während die meisten Nahrungsmittel nur indirekt wirken, gehört Luzerne (Alfalfa) zu den wenigen, die über einen direkten Auslösemechanismus verfügen. Diese Pflanze, die häufig in „Fitness“-Salaten, vegetarischen Sandwiches oder bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln vorkommt, enthält L-Canavanin. Dabei handelt es sich um eine nicht-proteinogene Aminosäure, die strukturell der Arginin ähnelt. Der Körper baut sie irrtümlich in seine eigenen Proteine ein, was deren Struktur verändert. Das Immunsystem erkennt diese veränderten Proteine nicht mehr und startet eine massive Attacke gegen das eigene Gewebe. Bei einem Patienten mit Lupus kann der Verzehr von gekeimten Luzernesamen oder Mungbohnensprossen die Aktivität von Autoantikörpern verstärken. Es ist zwingend erforderlich, diese Nahrungsmittel zu meiden, da klinische Beobachtungen gezeigt haben, dass sie anti-native-DNA-Antikörper reaktivieren und starke Gelenkschmerzen auslösen können – selbst in Phasen stabiler Remission.
Während Luzerne beim Lupus-Patienten gemieden wird, weil sie L-Canavanin enthält, sollte Knoblauch (Allium sativum) aus dem entgegengesetzten Grund vermieden werden: Seine stimulierende Wirkung ist zu ausgeprägt. Knoblauch enthält schwefelhaltige Verbindungen, insbesondere Allicin und Thiosulfate, die über ausgeprägte immunstimulierende Eigenschaften verfügen. Bei einer gesunden Person stärken diese Moleküle die natürlichen Abwehrkräfte, doch bei einem Lupus-Patienten verstärken sie das Ungleichgewicht der immunologischen Balance. Durch die Stimulierung der Aktivität von Makrophagen und T-Lymphozyten erhöht Knoblauch die Produktion von Autoantikörpern und kann eine stabile Phase in einen akuten entzündlichen Schub überführen.
Diese Vorsicht erstreckt sich über die frische Knoblauchzehe hinaus: Auch Knoblauchpulver und Knoblauchextrakte, die in Fertiggerichten und in sogenannten „Detox“-Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind, sind davon betroffen.
Ähnlich wie Knoblauch ist Echinacea eine Heilpflanze, deren natürlicher Ruf eine Gefahr für Lupuspatienten verbirgt. Häufig in Form von Tees, Kapseln oder Urtinkturen zur Vorbeugung von Erkältungen eingenommen, wirkt sie, indem sie die Produktion proinflammatorischer Zytokine (TNF-α, IFN-γ) steigert. Klinische Beobachtungen haben gezeigt, dass Echinacea nicht nur mit immunsuppressiven Therapien interferieren kann, indem sie deren Wirkung aufhebt, sondern auch ein Wiederaufflammen der Autoimmunaktivität auslösen kann – selbst bei zuvor stabilen Patienten. Indem sie die Lymphozyten zur Vermehrung anregt, riskiert sie, die fragile Immuntoleranz des Patienten zu durchbrechen und den Organismus in einen neuen Krankheitsschub zu treiben.