Wenn sich die Krankheit verschlimmert oder lebenswichtige Organe (Nieren, Herz und Gehirn) betroffen sind, ist der Einsatz von Substanzen erforderlich, die das Immunsystem noch stärker hemmen können.
Immunsuppressiva bei schwerem oder therapieresistentem Organbefall des Lupus.
Bei mittelschweren bis schweren Formen des Lupus können Immunsuppressiva wie Azathioprin, Methotrexat oder Mycophenolat-Mofetil verordnet werden. Ihre Aufgabe besteht darin, das Immunsystem zu beruhigen, indem sie die Aktivität der für die Entzündung verantwortlichen Zellen verringern: Sie bremsen die Vermehrung der T- und B-Lymphozyten, senken die Produktion proinflammatorischer Botenstoffe und stören die Mechanismen der Immunaktivierung.
Ihr Hauptvorteil besteht darin, dass sie ermöglichen, die Kortisontherapie zu reduzieren oder sogar zu beenden, was hilft, deren Nebenwirkungen zu begrenzen. Im Gegenzug erfordern sie jedoch eine strenge ärztliche Überwachung, insbesondere durch regelmäßige Blutuntersuchungen, da in etwa 10 bis 30% der Fälle der Anteil der weißen Blutkörperchen im Blut sinken kann. Einige von ihnen, wie Methotrexat, Mycophenolat-Mofetil und Cyclophosphamid, sind während der Schwangerschaft ausdrücklich kontraindiziert, da sie mit einem Risiko für angeborene Fehlbildungen verbunden sind.
Im Gegensatz dazu hat die Anwendung von Mycophenolat-Mofetil die Prognose der Lupusnephritis grundlegend verbessert. Eine Vergleichsstudie hat die Wirksamkeit von Immunsuppressiva beim Lupus, insbesondere bei der Lupusnephritis, bewertet. Mehrere randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen, dass Mycophenolat-Mofetil mindestens ebenso wirksam ist wie Cyclophosphamid, um eine renale Remission herbeizuführen, mitunter sogar mit einer Tendenz zu besseren Ergebnissen.
Die Biotherapien in der Behandlung des Lupus.
Biotherapien (monoklonale Antikörper) haben in den letzten Jahren einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung des Lupus dargestellt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten greifen sie sehr gezielt bestimmte Mechanismen des Immunsystems an. Belimumab, das subkutan verabreicht wird (in der Regel eine Injektion pro Woche), wirkt, indem es ein zentrales Protein, den BAFF (B‑cell Activating Factor), blockiert, das für das Überleben der B‑Lymphozyten notwendig ist, die an der Erkrankung beteiligt sind. Indem dieses Protein daran gehindert wird, an seine Rezeptoren zu binden, werden diesen Zellen Überlebenssignale entzogen, was zu einer allmählichen Abnahme der am stärksten veränderten B‑Lymphozyten führt. Neuere Wirkstoffe, wie Anifrolumab, das monatlich als Infusion verabreicht wird, zielen auf noch spezifischere Signalwege ab, insbesondere auf den der Typ‑I‑Interferone, die maßgeblich an der lupustypischen Entzündung beteiligt sind.
Die Ergebnisse der Phase-III-Studien (TULIP) sind besonders vielversprechend. Sie zeigen, dass Biologika sich nicht nur darauf beschränken, die Gesamtaktivität der Erkrankung – unter anderem bewertet mit dem SLEDAI-Index – zu reduzieren, sondern dass sie auch greifbare Verbesserungen im Alltagsleben ermöglichen. Bei einer großen Zahl von Patientinnen und Patienten wird eine signifikante Abnahme persistierender kutaner Schäden sowie eine Linderung chronischer Gelenkschmerzen beobachtet. In einer sehr großen italienischen Beobachtungsstudie mit 443 Lupus-Patientinnen und -Patienten, die mit Belimumab behandelt wurden, zeigte sich eine signifikante Reduktion der Aktivität artikulärer und kutaner Manifestationen sowie hohe Remissionsraten bei bestimmten klinischen Verlaufsformen, zum Beispiel bis zu ≈ 76% kutane Remission in einigen Subgruppen nach 18 Monaten.
Diese Behandlungen werden in der Regel angeboten, wenn die Krankheit trotz konventioneller Therapien aktiv bleibt. Sie ermöglichen es, die gesamte Krankheitsaktivität des Lupus zu verringern, anhaltende Symptome zu verbessern und die Abhängigkeit von Kortikosteroiden zu reduzieren. Ihre Anwendung erfordert jedoch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen: Sie sind bei aktiven Infektionen kontraindiziert und müssen bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten mit Vorsicht eingesetzt werden. Eine Aktualisierung des Impfstatus wird häufig vor Beginn der Therapie empfohlen, und eine regelmäßige Überwachung ist unerlässlich. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Reaktionen an der Injektionsstelle oder während der Infusionen, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder ein erhöhtes Risiko für Infektionen, insbesondere viraler Art (wie Gürtelrose unter Anifrolumab). Seltener können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten.