Obwohl Schwarzkümmelöl als natürlich gut verträglicher Inhaltsstoff gilt, berichtet die wissenschaftliche Literatur über seltene, aber potenziell schwerwiegende unerwünschte Wirkungen nach topischer Anwendung.
Mehrere Arbeitsgruppen haben so beschrieben Kontaktdermatitiden akut im Zusammenhang mit Schwarzkümmelöl. Eine erste Fallserie berichtet über sechs ältere Patientinnen, die wegen schwerer Hautausschläge behandelt wurden, die ein bis zwei Tage nach topischer Anwendung von Schwarzkümmelöl auftraten. Die Läsionen reichten weit über den initialen Applikationsbereich hinaus und zeigten rötlich-violette Plaques mit Epidermablösung und Pusteln, was klinisch einer toxischen epidermalen Nekrolyse ähnelte. Bei mehreren Patientinnen war die abgeschälte Hautoberfläche größer als 15 %, und in einzelnen Fällen trat Fieber auf, was eine längere Hospitalisierung erforderte. Histologisch zeigte sich ein lichenoides Muster mit Keratinozytenapoptose. Patch-Tests mit Schwarzkümmelöl waren positiv, und die chemische Analyse deutete auf eine allergische Reaktion gegen Thymochinon hin.
Diese Daten werden durch eine weitere Fallserie mit drei Patientinnen untermauert, die ebenfalls wegen schwerer akuter Kontaktdermatitiden nach Anwendung von Schwarzkümmelöl hospitalisiert wurden. Auch hier waren die Reaktionen eindrucksvoll, mit Läsionen, die über den Applikationsbereich hinausreichten, großflächigen Hautablösungen, teilweise begleitet von Fieber, und klinischen Befunden, die an ein Stevens-Johnson-Syndrom erinnerten, eine Form der toxischen epidermalen Nekrolyse. Hautbiopsien zeigten eine diffuse epidermale Apoptose, und die mit dem Schwarzkümmelöl der Patientinnen durchgeführten Patch-Tests waren positiv.
Noch seltener wurden nach der Anwendung von Schwarzkümmelöl schwere systemische Reaktionen beschrieben. Ein Einzelfallbericht dokumentiert das Auftreten eines DRESS-Syndroms, eine schwere, verzögerte immunoallergische Reaktion. Die Patientin wies großflächige Rötungen, eine ausgeprägte Eosinophilie – also eine Vermehrung der an allergischen Reaktionen beteiligten Immunzellen –, Lymphadenopathien (Erkrankungen der Lymphknoten) und atypische Lymphozyten auf, ohne Befall innerer Organe. Die Diagnose wurde durch einen positiven Patch-Test mit Schwarzkümmelöl bestätigt. Die Patientin wurde mit systemischer Kortikosteroidtherapie behandelt, woraufhin die Symptome zurückgingen. Auch wenn dieser Fall außergewöhnlich ist, verdeutlicht er, dass Schwarzkümmelöl an schweren, verzögerten kutanen Reaktionen, die durch T-Lymphozyten vermittelt werden, beteiligt sein kann.