Im Unterschied zur topischen Anwendung wirft die orale Einnahme von Aloe vera deutlich mehr Sicherheitsfragen auf.
Mehrere Studien berichten tatsächlich über Nebenwirkungen von Aloe vera nach oraler Einnahme: Durchfälle, Elektrolytstörungen wie Hypokaliämie, Nierenschäden, Überempfindlichkeitsreaktionen oder phototoxische Phänomene. Die französische Behörde Anses stuft sogar den Blattextrakt von Aloe vera als möglicherweise krebserregend für den Menschen ein (Gruppe 2B), basierend auf Tierversuchsergebnissen. Diese Daten beziehen sich vor allem auf vollständige Zubereitungen, die Latex mit hohem Anthrachinon-Gehalt enthalten, insbesondere Aloin, eine Verbindung, die von der Darmflora in potenziell genotoxische, nephrotoxische oder abführend wirkende Metaboliten umgewandelt wird. Sie erklären, warum den Gefahren von trinkbarem Aloe-vera-Gel heute besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Nicht alle Aloe-vera-Formen weisen allerdings dasselbe Profil auf. Toxikologische Tierversuche zeigen, dass gereinigte, aloinarme Gele weder akute Toxizität noch signifikante genotoxische Effekte verursachen, selbst bei hohen Dosen. Ebenso haben bestimmte gekapselte Präparate bei oraler Verabreichung in subakuten Untersuchungen keine nennenswerten biologischen oder histologischen Veränderungen hervorgerufen.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Risiken von Aloe vera stark von der Qualität des Extrakts, seiner Zusammensetzung und der konsumierten Dosis abhängen und die Bedeutung einer strikten Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln unterstreichen.
Aus Vorsichtsgründen wird die orale Einnahme von Aloe vera in mehreren sensiblen Situationen, insbesondere während der Schwangerschaft oder während der Stillzeit, weiterhin nicht empfohlen. Denn der Aloe-vera-Latex, der gewöhnlich wegen seiner abführenden Wirkung eingenommen wird, kann Kontraktionen der Gebärmutter und eine Fehlgeburt auslösen. Ebenso verhält es sich während der Stillzeit: Das Aloin von Aloe vera, verantwortlich für seine abführende Wirkung, kann in die Zusammensetzung der Muttermilch übergehen und die Gesundheit des Säuglings beeinträchtigen, was zu Durchfällen oder einer Dehydrierung führen kann. Dies ist auch der Grund, warum die topische Anwendung von Aloe-vera-Gel stillenden Frauen nicht empfohlen wird.
Obwohl die topische Anwendung von Aloe-Vera-Gel insgesamt als sicher gilt, sollte dessen orale Aufnahme maßvoll erfolgen, und wir empfehlen, ausschließlich gereinigtes und qualitativ hochwertiges Aloe-Vera-Produkt zu konsumieren.