Noch seltener können jedoch schwere Komplikationen nach Injektionen mit Botulinumtoxin beobachtet werden. Diese sind meist auf eine übermäßige Ausbreitung des Toxins über den ursprünglich anvisierten Injektionsbereich hinaus, auf die Verabreichung zu hoher Dosen oder auf eine ungeeignete Injektionstechnik zurückzuführen. Da Botulinumtoxin in die neuromuskuläre Signalübertragung eingreift, kann bereits eine begrenzte systemische Verteilung wesentliche Muskelfunktionen beeinträchtigen. Diese Situationen bleiben in der ästhetischen Medizin äußerst selten, sind jedoch in der medizinischen Literatur gut dokumentiert.
Unter den berichteten Manifestationen finden sich allgemeine Symptome, die einem botulismusähnlichen Bild. Die Patienten können eine diffuse Muskelschwäche, ausgeprägte Müdigkeit, Schluckbeschwerden (Dysphagie) oder Sprechstörungen (Dysarthrie) aufweisen. In den schwersten Fällen kann es zu einer Beeinträchtigung der Atemmuskulatur kommen, die eine respiratorische Insuffizienz mit dringendem medizinischen Eingreifen zur Folge hat. Diese Effekte werden häufiger bei therapeutischen Anwendungen von Botulinumtoxin beschrieben, die höhere Dosen erfordern, sind jedoch in Ausnahmefällen auch nach ästhetisch motivierten Injektionen berichtet worden.
Okuläre Komplikationen stellen ein weiteres seltenes, aber spezifisches Risiko bei Injektionen im periokularen Bereich dar. Eine Ausbreitung des Toxins auf die okulomotorischen Muskeln oder die Augenlider kann zu einer Doppelbilder, eine Lidptose, starke Augentrockenheit oder einen unvollständigen Lidschluss. Diese kann die Hornhaut einer übermäßigen Austrocknung aussetzen, was das Risiko für Reizungen oder, seltener, für Hornhautschädigungen birgt. Diese Komplikationen unterstreichen die Bedeutung einer genauen Anatomiekenntnis und einer präzisen Technik bei Injektionen in diesen sensiblen Bereichen.
In ganz außergewöhnlichen Fällen wurden schwere infektiöse oder vaskuläre Komplikationen gemeldet, wie tiefgehende Weichteilinfektionen oder lokale Gefäßschädigungen. Diese Ereignisse bleiben äußerst selten und sind häufig mit unzureichenden aseptischen Bedingungen verbunden. Schließlich wurden Todesfälle in der medizinischen Literatur beschrieben, vor allem in therapeutischen Kontexten mit hohen Dosen Botulinumtoxin, insbesondere bei Patienten mit erheblichen Komorbiditäten. In der ästhetischen Medizin bleiben solche Fälle sehr selten, rechtfertigen jedoch eine klare Aufklärung der Patienten und die strikte Einhaltung der Indikationen sowie der Sicherheitsprotokolle.
Botulinumtoxin-Injektionen sind niemals ein unbedenklicher Eingriff. Angesichts möglicher, teilweise schwerwiegender unerwünschter Wirkungen ist es unerlässlich, die Entscheidung sorgfältig abzuwägen, sich umfassend zu informieren und ausschließlich einen qualifizierten und erfahrenen medizinischen Fachmann zu konsultieren, der Indikationen und Kontraindikationen beurteilen und die Sicherheit des Eingriffs gewährleisten kann.