Die Sarcosin hat aufgrund ihrer potenziell regulierenden Wirkung auf die Talgproduktion ein wachsendes Interesse geweckt, was sie zu einem besonders relevanten Wirkstoff für gezielte Kopfhautpflege machen würde. Sarcosin ist ein Derivat der Glycin und ist an bestimmten Stoffwechselwegen beteiligt, die mit Aminosäuren und Lipiden zusammenhängen. Daher haben einige Forscher und Formulierer angenommen, dass es Enzyme beeinflussen könnte, die mit dem Lipidstoffwechsel verbunden sind, wie die 5α-Reduktase, entweder durch metabolische Modulation oder durch Wechselwirkung mit deren Kofaktoren.
Das von den Talgdrüsen produzierte Sebum spielt eine wesentliche Rolle beim Schutz und bei derHydratation der Haut und der Kopfhaut, doch sein Überschuss kann zu Ungleichgewichten führen und das Auftreten von Problemen wie übermäßiger Glanz, Schuppen oder Entzündungen begünstigen. Sarkosin würde wirken, indem es die Aktivität bestimmter Schlüsselenzyme moduliert, die an der Lipidsynthese beteiligt sind, insbesondere der 5α-Reduktase-1, eines Enzyms, das dafür bekannt ist, die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) zu katalysieren. Dieses aktive Hormon ist dafür bekannt, unter bestimmten Bedingungen die übermäßige Produktion von Sebum zu stimulieren. Durch die Hemmung oder Regulation dieses Enzyms würde Sarkosin somit dazu beitragen, die übermäßige Talgsekretion zu verringern und so ein optimales Gleichgewicht der Haut wiederherzustellen.
Allerdings zeigt die wissenschaftliche Literatur keinen direkten Zusammenhang zwischen Sarcosin und der Regulation des Talgs.
Indirekt könnte ihre potenziell seboregulatorische Eigenschaft auch einen präbiotischen Effekt bewirken, veranschaulicht durch das Konzept des „Scalp Microbiome Reset“, das darin besteht, ein gesundes Mikrobiom der Kopfhaut wiederherzustellen, indem sie erneut mit sechs nützlichen Bakterienstämmen besiedelt wird (Staphylococcus pasteuri, S. warneri, Streptococcus australis, Rothia aeria, Veillonella parvula, Actinomyces odontolyticus). Tatsächlich könnte Sarcosin, indem es den Sebumüberschuss reduziert, das kutane Ökosystem verändern und lipophile Mikroorganismen wie Cutibacterium acnes ihrer wichtigsten Nährstoffquelle berauben. Dies würde ihre Proliferation begrenzen und Raum für andere kommensale Arten schaffen, wodurch eine größere mikrobielle Diversität gefördert würde.
Zusammenfassend könnte Sarcosin sowohl auf die Lipid-Homöostase als auch auf das Gleichgewicht des Mikrobioms einwirken und so ein stabileres, weniger entzündliches Hautmilieu schaffen, das die Koexistenz nützlicher Stämme begünstigt.
Jedoch sind Studien erforderlich, um die Rolle von Sarcosin bei der Regulation der Talgproduktion sowie ihre Auswirkungen auf das Gleichgewicht des Mikrobioms zu bestätigen.