Es ist stets frustrierend, wenn bereits wenige Tage nach einer Epilation die Haare wieder erscheinen. Dies erklärt das wachsende Interesse an haarwuchshemmenden Produkten, seien es Cremes, Lotionen, Seren gegen das Nachwachsen von Haaren oder auch Öle mit haarwuchshemmender Wirkung. Diese Pflegeprodukte, die als Lösungen präsentiert werden, welche das Haarwachstum verlangsamen können, beruhen theoretisch auf einer Modulation des Haarzyklus, genauer gesagt auf einer Verlängerung der Telogenphase, also der Ruhephase, oder auf einer Verlangsamung der Anagenphase, die der Wachstumsphase der Haare entspricht.
Einige Behauptungen sprechen auch von einer Wirkung auf die eigentliche Struktur des Haares, insbesondere über eine Beeinflussung der Keratinsynthese, also der faserigen Hauptproteinkomponente des Haares, die von den Keratinozyten des Haarfollikels produziert wird. Dies könnte zu dünneren, weniger pigmentierten und potenziell weniger sichtbaren Haaren im Verlauf der Zyklen führen. Weitere Hypothesen beziehen sich auf eine mögliche Wechselwirkung mit Signalwegen, die an der Proliferation der Matrixzellen der Haarwurzel beteiligt sind, doch bleiben diese Mechanismen weitgehend spekulativ.
Trotz eines boomenden Marktes für haarwuchshemmende Produkte sind die wissenschaftlichen Daten weiterhin begrenzt.
Kann Wachsbaum-Extrakt das Nachwachsen der Haare verlangsamen?
Häufig in Formulierungen zur Verzögerung des Haarwachstums erwähnt, ist der Extrakt des Wachsbaums, genauer gesagt das von Ericerus pela sezernierte Insektenwachs, weit davon entfernt, eine hemmende Wirkung auf das Haarwachstum nachgewiesen zu haben. Im Gegenteil deuten die verfügbaren wissenschaftlichen Daten eher auf einen stimulierenden Effekt auf den Haarfollikel hin. So zeigen einige experimentelle Studien, dass die topische Anwendung dieses Wachses den Übergang des Follikels von der Telogen- in die Anagenphase begünstigt. Diese Stimulation würde insbesondere mit einer erhöhten Expression des Wachstumsfaktors VEGF einhergehen, was die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff verbessert, die für das Haarwachstum erforderlich sind.
Diese Beobachtungen wurden durch eine in vivo -Studie an Mäusen bestätigt, in der unterschiedliche Konzentrationen von Insektenwachs (30 % und 45 %) auf enthaarte Hautareale aufgetragen wurden, mit einem Vergleich zu einer positiven Kontrolle auf Basis von 5 % Minoxidil, einem gegen Alopezie eingesetzten Arzneimittel. Bereits am 16. Tag wurde in den behandelten Gruppen ein sichtbares Haarwachstum beobachtet, im Gegensatz zur Kontrollgruppe. Die in den 30 %- und 45 %-Gruppen gemessenen Haarlängen waren an den Tagen 16 und 20 signifikant höher als in der Kontrollgruppe, mit Leistungen, die denen von Minoxidil nahekommen. Die histologische Analyse zeigte, dass dieser Effekt nicht auf der Bildung neuer Follikel beruht, sondern auf einer vorzeitigen Umwandlung bestehender Follikel von der Telogen- in die Anagenphase sowie auf einer Verlängerung dieser Wachstumsphase. Diese Aktivität dürfte insbesondere mit der erhöhten Expression von VEGF und dem Vorhandensein von Policosanolen im Wachs zusammenhängen, die als wesentliche aktive Verbindungen identifiziert wurden.